Hurra!!! Die Krise ist vorbei!

Der wirtschaftliche Absturz ist vorbei, auch dank noch zu zahlender politischer Maßnahmen. Die Börse hat schon viel vorweggenommen, weshalb die Hedge-Fonds ihr wieder den Rücken kehren. Sie werden es der Presse entnommen haben die Krise ist vorbei. Überall steigende Indikatoren, stimmungstechnisch und auftragstechnisch. Gesunde Firmen können wieder den Kapitalmarkt anzapfen, die Risikoprämien sinken, und China brummt sowieso. Guude Laune allerorten also, wie der Frankfurter Plattenaufleger Sven Väth konstatieren würde. Und gute Laune ist für eine Wirtschaft ja schon die halbe Miete. Man sollte sich diese Laune von Randnotizen also nicht verderben lassen.

Dass etwa die britische Zentralbank deutlich mehr Geld in das System pumpt als geplant, weil sie scheinbar vom Aufschwung nicht viel sieht. Dass Daueroptimist John Chambers von Cisco zwar das Tal gesehen haben will, aber von Aufschwung noch nicht reden will. Dass, apropos Daueroptimist, selbst die Permabullen der amerikanischen Investorenwebsite Thestreet.com die amtliche US-Arbeitslosenquote nicht goutieren wollen und sich lieber auf die weiter gefassten 14,3 Prozent Jobsuchenden konzentrieren. Zumal es so beruhigend ohnehin nicht ist, wenn im Juli “nur noch” weitere 247.000 ihren Job verloren haben.

Man sollte sich zuletzt auch nicht davon irritieren lassen, dass mittlerweile schon chinesische Offizielle die eigenen Wirtschaftsstatistiken anzweifeln. Wichtig ist gute Laune. Und, auch das weiß Technoguru Sven Väth von seinen Gästen, wenn aufgrund nachlassender körperlicher Kräfte die Laune kippt, dann helfen kleine, weiße Pillchen.

Auf die Wirtschaft übertragen also Verschrottungsprämie und staatliche Investitionsprogramme auf Pump. Man mag politisch über ihren Nutzen geteilter Meinung sein, doch dass sie nicht umsonst und mit künftigen Kosten verbunden sind, weiß auch die Börse, wird es aber berücksichtigen, wenn die Rechnung konkreter wird. Und könnte dann dem Muster einiger vergangener Krisenzeitenrallys folgen, denen weitere Bären- oder zumindest uneinheitliche Jahre folgten.

Nicht nur der euphorische Ton vieler Brokerstudien nach dem nicht ganz so schlimmen zweiten Quartal sollte Anleger aufhorchen lassen. Die UBS schrieb jüngst, dass unter ihren Kunden Hedge-Fonds den Aktienmarkt langsam wieder verlassen. Dazu Stimmen aus Deutschland, dass Versicherungen und Privatleute die Börse langsam wiederentdecken, und man weiß, dass man allein aus taktischen Gründen die Party bald verlassen sollte.

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